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| Turnfahrt 2003 - 20./21.09.2003 |
Jeder weiss, dass die Turnfahrt mit der Vorbereitung bereits Tage
vor der eigentlichen Be-sammlung beginnt. Und da es für mich
die erste Turnfahrt mit dem TV Neftenbach war, war ich nicht unglücklich,
dass mich ein Ehrenmitglied am Händchen nahm, als es um den Einkauf
ging und brachte mir sogar das obligate Weinglas vom Herbstfest mit.
Schlussendlich schickte er mir noch ein paar Packungs-Tipps nach Hause.
Nun
gut, so besammelten wir uns am Samstag Morgen pünktlich um 06.50
Uhr und bestiegen gutgelaunt das Postauto nach Winterthur. Obschon
sich 28 Turner anmeldeten, fehlten den-noch altbekannte Gesichter.
Nun ja, nicht alle konnten sich zu Hause erfolgreich durchsetzen oder
mussten gar das Militär als Ausrede vorschieben. Da sieht man
wieder, dass Oberst-kenntnisse und ein Fahrausweis für den Panzer
Leopard auch im Zeitalter der Armee XXI nicht ausreichen. Beim durchzählen
der Meute, stellte dann unser Organisator und Führer, Peter Meili,
allerdings mit Schrecken fest, dass ein „Hünikemer“
fehlte.
Wer weiss wen oder was Mike Vontobel geritten hat, als er am Vorabend
seine Wanderschuhe nach draussen stellte. Als er diese dann am Morgen
anziehen wollte, da passierte das Un-fassbare: tatsächlich soll
sich eine Wespe in seinen stinkenden Schuhen eingenistet haben und
stach dem armen Mike in den Fuss. So ein Pech aber auch, musste sich
da wohl seine noch im Bett liegende Freundin gedacht haben und zog
ihm als barmherzige Samariterin gleich den Stachel heraus. Ihre Diagnose:
für die nächsten Stunden sei ihr Mike weder transport- noch
marschfähig.
Da
die S12 nach Zürich bereits mit anderen Ausflüglern besetzt
war, mussten wir uns in den Gängen verteilen. Das wäre wohl
ein Grund aber noch lange kein Hindernis für die Neftenba-cher
Turner, bereits in dieser Herrgottsfrühe die ersten Weissweine
und die entsprechenden Herbstfest-Gläser und Zinnbecher hervorzuholen.
Fast alle stiessen ein erstes Mal auf die Kameradschaft an. Aber eben
nur fast alle; dass unser Cola-trinkende Vizeoberturner sein Glas
beim Ausschank nicht zuforderst hatte, leuchtet allen ein. Doch da
war noch jemand, der völlig entnervt seinen Rucksack durchwühlte.
Auch wenn ich jetzt diese Person nicht nennen würde, so wissen
es doch schon alle, dass es sich dabei um den Importturner aus dem
östlichen Nachbarkanton handelte. Dass er dann aber doch nicht
abseits stehen musste, ist unserem Webmaster Livio zu verdanken. An
dieser Stelle Livio nochmals herzlichen Dank für das zweite Glas.
Nun
ja, im Zug Richtung Luzern machte dann eine andere Person auf sich
aufmerksam. Ein Nachkomme von Pythagoras als Kondukteur verkleidet
liess uns an alte Folgen von Teleboy und versteckte Kamera erinnern,
als er versuchte, die Turner mit Halbtax-Abo von jenen ohne Abo zu
unterscheiden. Und nach einer kurzen Postautofahrt kamen wir dann
auch in Sören-berg im Entlebuch an.
Bevor wir dann die strenge Wanderung Richtung Rossweid in Angriff
nahmen, nahmen wir auf der sonnigen Terrasse die erste kleine feste
Zwischenverpflegung zu uns. Und so bestellte uns Peter Meili 26 Krüge
mit Bier und einen mit Cola. Danach ging es also los. Ein paar junge
Hechte wollten auch gleich ihre Ambitionen für die nächstjährige
400 m-Staffel anmelden. Deshalb zeigte auch ich keine Blösse
und wollte gleich zur Spitze aufschliessen, als mir eine weise Bassstimme
riet: „Nöd driischüsse.“ Natürlich schenkte
ich meinem Turnerkollegen mit dem lockigem Haar glauben und liess
mich in die Oldie-Gruppe zurückfallen. Dass ich gut getan habe,
dem Rat von Hümbi Folge zu leisten, merkte ich kurze Zeit später,
als die Gruppe einen Marschhalt einlegte und Peter eine Flasche vom
feinsten australischen Chardonnay hervorzauberte. Aaahh war das ein
Genuss. Merklich gestärkt zog die Oldie-Gruppe danach dem Gipfel
entgegen. Unterdessen vergnügte sich bereits eine Horde halbnackter
Männer oben beim Bergrestaurant auf dem Kinderspielplatz. Obwohl
es viele (glücklicherweise) nicht miterlebt haben, so entgingen
der Linse unserer Webmaster die tierisch primitiven Einlagen einiger
Turner an der Kinderseilbahn nicht.
Nach dem Zusammenschluss beider Gruppen und ein paar Gehminuten später
suchten sich alle unterhalb des Gipfels ein lauschiges Plätzchen,
um den wohlverdienten Lunch zu sich zu nehmen. Auch hier gäbe
es noch eine Episode von einem auf mysteriöse verschwundenen
Salsiz zu erzählen – gell Adi -, doch diese würde
den Bericht nur unnötig in die Länge ziehen.
Frisch verpflegt und mit Sonnenstrahlen und Wein vollgetankt zog die
Schar in weissem Ge-wand munter Richtung Emmental. Lange waren wir
fernab jeglicher Zivilisation als plötzlich ein Gasthaus in Reichweite
lag. Doch unser Führer zog einfach daran vorbei mit den Worten:
„vertraut mir.“ Dabei war da gerade ein kleines Älplerfest
im Gange. Unter anderen versuchten sich einige Einheimische beim 21
kg-Steinstossen. Als dann der eine die 5-Meter-Grenze knackte, tobten
die Zuschauer. Klar wären da unsere Mitglieder des Werfergrüplis
kaum gefordert gewesen. Fritzli hätte den Tagesrekord noch mit
dem Rucksack auf dem Rücken um einige Meter verbessert, aber
Peter war gnadenlos und meinte, dass wir einen Rückstand auf
die Marschtabelle aufzuholen hätten.
Nun
ja, wenig später begriffen wir alle Peters Eile, erwarteten uns
doch seine Frau und sein Schwiegervater mit frisch gebackenem Zopf,
äusserst delikatem und frisch gehobeltem Alp-käse sowie
vielen, vielen Flaschen Weisswein. Währenddem sich die meisten
von den Gastgebern so richtig verwöhnen liessen, waren die vorangegangenen
Strapazen für einige Jungturner doch etwas zuviel. Sie liessen
sich im duftenden Gras zu einem Nickerchen hinreissen, versteckten
aber unvernünftigerweise ihr Weinglas im hohen Gras. Die angenehmen
Temperaturen und der steigende Alkoholgehalt führten zu manch
angeregten Gesprächen. So auch unter Veteranen, welche über
das von einem aufgrund seines Dialektes gemobbten Zeitgenossen mitgeführte
Bajonett 41 aus dem Kriegsbestand der CH-Armee fachsimpelten.
Leider verging die Zeit viel zu schnell und wir mussten noch die letzten
Tageskilometer unter die Füsse nehmen. Der Weg führte vorbei
an einer jungfräulichen Geissenherde hinunter nach Kemmeriboden,
wo uns Pferd und Wagen erwarteten. Diese kutschierten uns einmal im
Trab und dann im Galopp zum Gasthof Rosegg in Bumbach, wo uns die
Damen des DTV Ettiswil einen herzlichen Empfang boten.
Nach dem reichlichen Nachtessen versuchten sich die einen beim Würfeln,
andere dislozierten in die hauseigene Bar und wieder andere versuchten
ihr Glück beim Gesellschaftsspiel der Damen aus Ettiswil. Nach
der anfänglich etwas trüben Stimmung in der Bar nahm dann
unser OT den CD-Player unter seine Fittiche. Nach alter Big M-Manier
brachte er dann die Stimmung endlich zum Kochen. Mitsingen, mitschunkeln
und mittanzen war angesagt bis in alle Frühe.
Am nächsten Morgen erwarte die meisten ein reichhaltiges Buffett.
Einzig Fuperman gönnte sich noch einen längeren Schönheitsschlaf.
Aber
dann ging es auch schon bald weiter Richtung Marbach Egg. Die teils
fast überhängenden Steigungen machten auch durchtrainierten
Turnern Mühe. Auf dem Gipfel angekommen und nach einer Stärkung
aus dem Rucksack liessen es sich einige Verwegene nicht nehmen, die
Gokarts einem gehörigen Materialtest zu unterziehen. Die Herren
von der Bergbahn haben wohl noch heute Alpträume, wenn sie sich
an die Bilder der Rennen zwischen Fritzli und Moier erinnern. Da empfiehlt
es sich, nochmals die
Bilder anzuschauen. Das wahr echt die Gaudi aber auch absolut
halsbrecherisch. Man kann es einfach nicht beschreiben, man muss es
am eigenen Leib erlebt haben, wenn alle Gesetze der Schwerkraft gebrochen
werden.
Aber aller Spass hat ein Ende und so nahmen wir den letzten Marsch
hinunter nach Marbach in Angriff. Die Natur zeigte sich wieder einmal
von seiner schönsten Seite und jegliche Aussicht war ein Augenschmaus.
Obschon es dann eher einem Tal-Lauf als einem Marsch glich, kamen
wir alle wohlbehalten und durstig bei der Talstation Marbach an.
Der Rest ist eigentlich schnell erzählt und auch nicht weiter
spektakulär. Mit Bus, Bahn und Bus traten wir die Heimreise an.
Kaum zu glauben, dass sich ein paar Unverbesserliche die letzten,
mittlerweilen auf 20° Celsius erwärmten Weinrestanzen ohne
mit der Wimper zu zu-cken einflössten.
Nun ja, wer dabei war der pflichtet mir sicher bei, dass dies eine
super Turnfahrt war. Noch-mals vielen Dank an Peter Meili für
die hervorragende Organisation des ganzen Wochenendes.
Neftenbach, 29. September 2003
Patrick Hubmann |
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